Incredibles
Copyright: Disney/Pixar


Die Unglaublichen - The Incredibles

Wer keine Lust hat, weiter auf den neuen James Bond Film zu warten, dem kann mit dem neuen Pixar-Film geholfen werden. Wer Spaß an Superhelden mit ihren menschlichen Schwächen hat wie beispielsweise "Spiderman", "X-Men" oder "Fantastischen Vier", dem kann gleichfalls mit dem neuesten Streich von Pixar geholfen werden. Wer einen weiteren niedlichen Film wie "Findet Nemo" erwartet, dem kann definitiv mit diesem Streifen nicht geholfen werden.

Die Bosse bei der erfolgreichen Animationsschmiede hätten es sich bei ihrer vorletzten Produktion für Disney wirklich einfach machen und das Erfolgsrezept des Vorjahres fortführen können. riesiger Ein Erfolg wäre garantiert gewesen. Statt dessen gibt es eine Drehung um 180 Grad und dem Publikum werden statt einer niedlichen Fischrettungsgeschichte, liebenswerten Monstern, putzigen Insekten oder Spielzeugfiguren, eine Superhelden-Familie geboten, die aber zunächst nicht mehr "Super" auftreten darf. Dennoch ist der Film weltweit ein Kassenmagnet, wenn auch nicht ganz so magnetisch wie "Findet Nemo".

Die Handschrift von Regisseur und Autor Brad Bird kommt bei diesem Streifen voll zur Geltung. Bird hat einen Hang zu nostalgisch angehauchten Geschichten mit phantastischem Inhalt wie gesehen bei "Der Gigant aus dem All" und kann andererseits dank der "Simpsons" Erfahrungen im Sitcom-Bereich nachweisen. Bei den Unglaublichen verschmelzen nun diese beiden Inhalte und bieten ein rasantes, actionreiches Superhelden-Spektakel mit allerlei Hightech-Roboter-Schnickschnack und eine routiniert erzählte Familien-Sitcom.
 
Der Film, begleitet von jazzig angehauchter Musik im Stil von John Barry oder Henry Mancini, beginnt mit einem Rückblick auf die 60er Jahre als Superhelden noch ständig Gutes für ihre Mitmenschen tun wie Banküberfälle verhindern, Selbstmörder retten oder verängstigte Katzen alter Damen von Bäumen zu helfen. Diese Rettungsaktionen können höchstens dann richtig anstrengend werden, wenn nebenbei wie bei Mr. Incredible noch schnell die Super-Kollegin Elastigirl geheiratet wird. Mit dem erfüllten Super-Dasein ist es aber bald vorbei als sich die Klagen von Mitbürgern häufen, die eigentlich nicht gerettet werden wollten oder bei den Einsätzen Verletzungen davongetragen haben. Im Zivilklagenparadies Amerika nicht einmal eine absurde Vorstellung - schließlich wurde hier auch schon Gott verklagt. Jedenfalls ergeht es den Superhelden vor den Gerichten wie einst den Tabakkonzernen. Sie müssen ihr Tun einstellen und führen nun mit einer staatlichen Tarnexistenz ausgestattet ein normales bürgerliches Leben. So sind 15 Jahre später Superhelden aus dem Alltag verschwunden und Mr. Incredible verdient als Versicherungsangestellter Bob Parr mehr schlecht als recht seine Brötchen für Frau Helen samt drei Kindern.

Die Sprösslinge kommen ganz nach ihren Eltern: Der schüchterne Teenager Violetta kann sich unsichtbar machen und ein Schutzfeld errichten. Der Zehnjährige Dashiel Parr nennt sich lieber Flash, denn er ist schnell wie der Blitz. Jack Jack ist gerade mal zwei Jahre alt und ist bisher scheinbar noch ein ganz normales Baby. Mutter Helen achtet darauf, dass auch die Kinder ihre Kräfte nicht in der Öffentlichkeit einsetzen. Das Leben im Verborgenen samt frustrierenden Job nervt Bob jeden Tag mehr. Da helfen auch heimliche Rettungsaktionen mit dem ehemaligen Kumpel Frozone nicht wirklich. Die Langweile wird jäh unterbrochen als eines Tages eine geheimnisvolle Person namens Mirage mit ihm Kontakt aufnimmt und ihn wieder reaktiviert.

Das wird auch höchste Zeit, denn trotz einiger netter Gags hat der Film zu diesem Zeitpunkt stark an Tempo verloren und plätschert als Ex-Superhelden-Sitcom so vor sich hin. An dieser Stelle noch einige Worte zum Character Design. Natürlich wird wieder beeindruckend gezeigt, was die Computer-Animation aktuell zu leisten vermag, aber es wurde zum Glück darauf verzichtet, die Figuren möglichst menschähnlich darzustellen. Statt dessen werden sie karikaturenhaft überzeichnet, was bei der Superhelden-Thematik ja auch viel mehr Sinn macht. Sie erinnern mich mit ihren überdimensionalen Köpfen samt großen Kulleraugen etwas an die Figuren aus der Nickelodeon Erfolgsserie "Jimmy Neutron". Ähnlich Technik verliebt wie dieser junge Erfinder wird nun auch der Film weiter.
Mr. Incredible soll auf der Vulkaninsel Nomanisan den geheimen Prototyp eines Kampfroboters austesten. Wie sich später herausstellt hat dieser Omnidroide 9000 schon so manchen anderen Superhelden auf dem Gewissen. Entwickelt wurde er von einem größenwahnsinnigen Waffenproduzenten namens Syndrom - er soll Brad Bird ähnlich sehen - um allen Superhelden den Garaus zu machen und selber als Retter der Menschheit dazustehen.

Das klingt nun wie James Bond pur und es kommt tatsächlich alles vor, was man aus diesen Filmen kennt außer Martini und Bond Girls. Dafür übernimmt die exzentrische Modeschöpferin Edna Mode die Rolle von Q, es geht allerlei zu Bruch, reihenweise werden gesichtslose Schergen des Bösewichts ins Jenseits befördert, ohne dass Blut fließt und die schöne Helferin des Bösen zeigt doch noch ihr gutes Herz. Der Zuschauer weiß also, was kommt,  hat aber dennoch seinen Spaß, denn nun kann die gesamte Familie Incredible zeigen, wie sie ihre Superkräfte perfekt koordiniert einsetzen kann.
Wieder einmal beweist sich also die intakte Familie als Keimzelle für wahre Größe. Aber zum Glück wird auf weitere tief greifende moralische Botschaften verzichtet. Dafür gibt es Humor und Action satt und davon so viel und heftig dargestellt, dass der Film in Deutschland erst ab 6 Jahren frei gegeben ist. In den USA gab es ein PG - es sollten also lieber die Eltern dabei sein - statt dem üblichen G. Auch das eine Premiere für Pixar.

Originaltitel

The Incredibles

Produktionsfirmen

Pixar Animation Studios, Walt Disney Pictures

Regie

Brad Bird
Produzent John Walker

Ausführender Produzent

John Lasseter

Drehbuch

Brad Bird

Musik

Michael Giacchino, Tim Simonec

Jahr

2004

Länge

120 Minuten

 

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