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Final Fantasy - Die Mächte in Dir
Das erste Mal als ich Menschen in einem
computeranimierten Film wahrgenommen habe, war in "Toy Story"
(1995). Damals sahen diese "Menschen" im Vergleich zum
Spielzeug ziemlich gruselig und unwirklich aus. Seitdem sind
gerade sechs Jahre vergangen - in Computerjahren eine Ewigkeit -
und man hat sich daran gewöhnt in der Werbung oder im Internet
auf so genannten "Avataren" zu treffen. Aber so richtig
menschlich sehen diese im Computer geschaffenen Wesen immer noch
nicht aus. Jetzt also ein im Computer geschaffener Trickfilm nach
einem erfolgreichen Konsolenspiel, der angeblich in den USA schon
ängstliche Reaktionen bei Schauspielern ausgelöst haben soll.
Sorry, aber diese Meldung ist entweder ein PR-Gag oder von Leuten
geäußert worden, die den Film nicht gesehen haben. Zwar hat
sich seit "Toy Story" eine Menge bei der
Computeranimation getan - das zeigten zuletzt auch die
menschlichen Figuren bei "Shrek"
- aber von der Darstellung realer Menschen ist man dann doch noch
etwas entfernt. Nach wie vor haben die geschaffenen Figuren etwas
puppenhaft Zombiemäßiges an sich.
Und damit kommen wir zum Hauptproblem des Films. Die Macher waren
der Meinung, einen Trickfilm mit realen Schauspielern zu machen
und haben deshalb typische Realfilmszenen wie gefühlvolles Küssen,
heroisches Sterben oder cooles Gehabe beim Bösewicht übernommen.
Aber diese Szenen wirken völlig deplatziert. Als einer nach dem
anderen der Helden stirbt, denkt man bestenfalls "Schade um
die Pixel" und die Liebesszene zwischen der Hauptperson Aki
und John wirkt irgendwie nur peinlich. Allenfalls als der
oberfiese Bösewicht in die Luft fliegt, habe ich mir gedacht:
"Endlich weg, der nervende Kerl".
Es ist eigentlich schade, denn die schwachen Dialoge und der
Drang nach perfekter Darstellung von Menschen per Computer lenken
von einer recht guten Geschichte ab, die mehr in den zur Zeit
dominierenden, japanischen Anime fußt als in typisch,
amerikanischen Produktionen.
Da ist das postapokalyptische Design und die Besessenheit von
technischem Schnickschnack, der mit äußerster Detailfülle
gezeigt wird. Raumschiffe, Ganzkörper-Kampfanzüge und jede
Menge schweres Waffengerät machen den Film leider stellenweise
zu einem SF- Landser- oder Kriegsfilm ("Starship Troopers").
Daneben gibt es aber eine sehr spirituelle Geschichte bei der es
gilt den "Spirit" von Gaia zu finden - eine Ansicht aus
dem Esoterik- und New Age Bereich, dass die Erde mit all ihren
Lebewesen eine ganzheitliche Lebensform darstellt. Dieser
Gegensatz zwischen Menschen/Technik und Natur wurde ja auch schon
in "Prinzessin Mononoke"
genial thematisiert.
Damit komme ich zur Story: Man wird ziemlich abrupt in die
Geschichte geworfen und erfährt erst nach und nach, was mit der
Erde geschah. Im Jahre 2065 ist unsere Zivilisation weitgehend
zerstört und die Menschen leben nur noch in einigen
Schutzkapseln. Es hat eine Invasion von fast unsichtbaren Aliens
gegeben, die unterschiedlichen Formen auftreten (optisch ein Genuss)
und sich vom Geist/der Seele der getöteten Menschen ernähren.
Die Wissenschaftlerin Aki Ross und ihr Mentor Dr. Sid glauben
eine Waffe gegen die Aliens gefunden haben: Durch Wellen, die aus
acht Schlüsseln gewonnen und in Aki konzentriert werden sollen,
könnten die Invasoren, die sich als reine Geisterwesen
herausstellen (tolle Traumsequenzen von Aki auf dem Alien-Planeten)
vertrieben werden.
Diesen Plan durchkreuzt der skrupellose Militär General Hein,
der lieber mit einer Kanone aus dem Weltall rumballern möchte.
Dazu setzt er auch die Marines der Elitetruppe "Deep Eyes"
unter dem Kommando von Gray Edwards ein, der in Aki verknallt ist.
Die Mitglieder sind völlig nervende Marine-Stereotypen wie man
sie zu Genüge kennt.
Es kommt zum dramatischen Finale als durch das Verschulden des
Generals die Aliens eine weitere Schutzkapsel erobern und er
dennoch die Kanone einsetzt ohne zu wissen wie sie sich auf die
Invasoren und Gaia auswirkt.
Die Story soll übrigens nur am Rande mit den Computerspielen zu
tun haben - auch wenn der Regisseur Sakaguchi ebenfalls die Serie
(seit 1987 9 Teile und mehr als 33 Mio. verkaufte Spiele) überwacht.
In den USA konnte der Film nur einen Bruchteil der geschätzten 140 Millionen
Dollar Kosten einspielen. Weltweit kam man auf rund 110 Millionen Dollar
Einnahmen. Beeindruckende Bilderfluten alleine reichen eben doch nicht aus, um
die Kinos zu erobern.
Im Jahr 2004 konnte dann im Film "Der
Polarexpress" bewundert werden, welche Fortschritte die Computeranimation
inzwischen dank "Performance Capture" bei der
Darstellung von Menschen gemacht hatte.
| Originaltitel | Final Fantasy - The Spirits Within |
| Produktionsfirmen | Columbia Pictures; Chris Lee Prod., Square Company |
| Regie | Hironobu Sakaguchi |
| Produzenten | Jun Aida; Christopher Lee; Akio Sakai |
| Ausführender Produzent | Hironobu Sakaguchi |
| Drehbuch | Al Reinert; Jeff Vintar, Jack Fletcher |
| Produktionsdesign | Mauro Borelli |
| Musik | Elliot Goldenthal |
| Jahr | 2001 |
| Länge | 90 Minuten |
| Internetadresse | www.final-fantasy-der-film.de |
